10.03.2017

»Wir sangen, um unsere Tränen zu verbergen« | Gedenkkonzert am 9. April 2017

Stacheldraht mit Wassertropfen | inkoalseibua, www.pixabay.com

Laura Pohl (Sopran) und Goran Stevanović (Akkordeon)
Kirche St. Nikolai | Sackmannstraße 26, Hannover-Limmer

Zur Feier der 72. Wiederkehr des Jahrestags der Befreiung des KZ-Außenlagers Conti-Limmer lädt der Arbeitskreis »Ein Mahnmal für das Frauen-KZ in Limmer« am Sonntag, 9. April 2017, zu einem Gedenkkonzert in der Kirche St. Nikolai, Sackmannstraße 26, ein. Laura Pohl (Sopran) und Goran Stevanović (Akkordeon) werden Lieder interpretieren, die damals von den KZ-Häftlingen gesungen wurden. Mitveranstalterinnen sind die ev.-luth. Kirchengemeinde St. Nikolai Limmer und die Städtische Erinnerungskultur der Landeshauptstadt Hannover. Beginn ist um 17.00 Uhr, der Eintritt ist frei.

Hintergrund

Auf dem Gelände der Continental AG in Hannover-Limmer befand sich von Juni 1944 bis April 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Mehr als 1000 Frauen, überwiegend aus Polen, Frankreich, Russland und dem Baltikum, mussten hier unter elenden Bedingungen Zwangsarbeit für die Kriegsproduktion der Continental und der Brinker Eisenwerke leisten. Am 6. April wurden die Häftlinge gezwungen, zum KZ Bergen-Belsen zu marschieren. Rund 70 vor allem kranke Frauen blieben im Lager zurück. Sie wurden am 10. April 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit.

In den Erinnerungsberichten aus dem KZ Limmer werden zahlreiche Lieder genannt, die von den Gefangenen gesungen worden sind. Noch immer wirkt die große emotionale Bedeutung, die sie hatten, nach. Im KZ drohte den Häftlingen nicht nur der Tod durch Hunger, Krankheiten und Gewalt, sondern auch der seelische Zusammenbruch. Viele Gefangene versuchten, innerlich aus der Lagersituation zu entfliehen, auch durch das Singen von Liedern: Politische und patriotische Lieder setzten das eigene Leiden in einen Zusammenhang von Kampf und Widerstand. Christliche Lieder erklärten es als Martyrium und dienten als Zeugnis des Glaubens. Schlager und Volkslieder erinnerten an die frühere Alltagswelt. Das Singen als innere Flucht ermöglichte ein kurzfristiges Vergessen der eigenen Ohnmacht.

Die Kirche St. Nikolai als Veranstaltungsort liegt in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Lagergelände. »Von der benachbarten Kirche hörte man oft die Glocken läuten, was an andere ferne Zeiten erinnerte. Wissen die ruhigen Einwohner von Hannover, dass es in der Nähe ihrer Kirche, in der sie beten und ihre Lieder singen, eine Hölle für tausend unschuldige Frauen gibt?«, erinnerte sich Maria Suszyńska-Bartman viele Jahre später.

Unter dem folgenden Link finden Sie die Ankündigung als PDF-Datei.

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