16.04.2012

Eine ehemalige Gefangene des KZ Limmer berichtet | 24.05.2012, Haus der Region Hannover

Zeitzeugengespräch mit Dr. Annette Chalut

Annette Chalut | © Boris Buchholz

Dr. Annette Chalut, geboren am 29. April 1924 in Paris als Kind französisch-jüdischer Eltern, wurde als Angehörige der Résistance am 8. März 1944 in der Nähe von Toulouse verhaftet. Ihre jüdische Abstammung war den deutschen Behörden nicht bekannt. Sie wurde in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück transportiert und gelangte von dort in das KZ-Außenlager Hannover-Limmer auf dem Gelände der Continental Gummi-Werke.

Im KZ Limmer waren am Kriegsende über 1 000 Frauen inhaftiert, die vor allem bei der Conti und in den Brinker Eisenwerken Zwangsarbeit leisten mussten. »Wir wurden von sehr strengen SS-Aufseherinnen beaufsichtigt, die manchmal brutal waren. Sie zwangen uns, einen Produktionsrhythmus einzuhalten, ungeachtet unserer Kräfte und schikanierten uns ohne jeden Grund«, berichtet Madame Chalut im Vorwort der Broschüre »Einen Ort der Erinnerung schaffen – KZ und Zwangsarbeit in Hannover-Limmer 1944/45« des Arbeitskreises »Ein Mahnmal für das Frauen-KZ in Limmer«.

Am 6. und 7. April 1945 musste Annette Chalut am sogenannten Todesmarsch von Hannover in das KZ Bergen-Belsen teilnehmen. Dort wurde sie am 15. April 1945 von britischen Truppen befreit.

Nach der Befreiung studierte sie Medizin, arbeitete als Arbeitsmedizinerin und übernahm 1990 nach ihrer Pensionierung Aufgaben in verschiedenen Organisationen ehemaliger Häftlinge. So ist sie seit mehreren Jahren Präsidentin des Internationalen Ravensbrück Komitees.

Der Arbeitskreis »Ein Mahnmal für das Frauen-KZ in Limmer« freut sich, diese außergewöhnliche Zeitzeugin nach Hannover einladen zu dürfen und lädt alle Interessierten herzlich zu einem öffentlichen Zeitzeugengespräch mit Madame Chalut am 24. Mai 2012 in das Haus der Region ein. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung und der Besuch Frau Chaluts finden in enger Kooperation mit der Gedenkstätte Ahlem, der zentralen Gedenkstätte der Region Hannover, und der Landeshauptstadt Hannover statt; die Landeshauptstadt fördert den Besuch im Rahmen der lokalen Gedenkstätten-Arbeit. Neben dem öffentlichen Zeitzeugengespräch als Teil der Veranstaltungsreihe der Gedenkstätte Ahlem und offiziellen Empfängen bei Stadt und Region findet außerdem ein Gespräch mit Schülerinnen und Schülern statt.

Wann & wo?

Donnerstag, 24. Mai 2012
19:00 Uhr
Haus der Region, Raum N 001
Hildesheimer Straße 18
30169 Hannover

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