24.11.2015

Boden einer Baracke des KZ Limmer bei archäologischer Grabung freigelegt

Ausgrabung des Bodens einer der beiden Häftlingsbaracken des KZ Conti-Limmer

Ein eindrucksvolles Relikt des Konzentrationslagers Conti-Limmer wurde am 23. November 2015 freigelegt: die Fundamente und der gut erhaltene Estrich-Fußboden einer der Häftlingsbaracken. Vor etwa 55 Jahren waren diese – bis gestern – unter dem um das Jahr 1960 angelegten Stockhardtweg verschwunden. Seit letzter Woche wird die Straße abgerissen, weil sie nicht ins Konzept des neuen Wohngebiets »Wasserstadt Limmer« passt. Damit bot sich die Chance, auch in diesem Bereich des Lagergeländes nach Resten des KZ zu suchen. Das Projekt Erinnerungskultur der Stadt Hannover hat daher die Firma ARCONTOR beauftragt, die Bauarbeiten archäologisch zu begleiten.

Als der Bagger beim Ausgraben der Kanalrohre unter dem Stockhardtweg das ehemalige Lagergelände erreichte, wurden die Archäologen schnell fündig. Für den Abwasserkanal war damals nur eine schmale Schneise in den Fußboden der Baracke gegraben worden (auf dem Foto gut zu erkennen) – daneben ließ man den Estrich unberührt und hat die Straße einfach darübergebaut.

Nach dem ersten Fund wurde der Fußboden auf der gesamten Breite der Stirnseite der Baracke freigelegt und von ARCONTOR dokumentiert und vermessen. Heute fand außerdem noch eine Luftbilddokumentation mithilfe einer Drohne statt.

Wie es mit den archäologischen Befunden weitergeht, ist derzeit unklar. Die Ausgrabung wird aber in den nächsten Tagen auf jeden Fall wieder zugeschüttet, nicht zuletzt, um das »Bodendenkmal« vor Zerstörungen durch die weiteren Bauarbeiten zu schützen. Wer sich die Barackenfundamente ansehen will, sollte sich also beeilen.

Der gefundene Barackenboden liegt leider außerhalb des Bereichs der öffentlichen Grünfläche, der für einen Gedenkort für das KZ Conti-Limmer vorgesehen ist. Vielmehr sollen dort als Teil der »Wasserstadt Limmer« neue Wohngebäude entstehen. Ob eine Einbeziehung des neuen Funds in den Gedenkort möglich ist, hängt also vor allem davon ab, wer dort bauen wird und welches Interesse die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner diesem Thema entgegenbringen. 

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